Im Rahmen des Strategieprozesses „Agrarsysteme der Zukunft“ veröffentlicht das BMBF 2016 eine Bekanntmachung zur Förderung von Forschungsvorhaben zum Thema Agrarsysteme der Zukunft.

Die Richtlinie zur Förderung von Forschungsvorhaben zu „Agrarsysteme der Zukunft“, mit Angaben zu Zuwendungszweck, Gegenstand der Förderung, und Details des Auswahl- und Entscheidungsverfahrens ist unter den folgenden Links auf der Bekanntmachungsseite des BMBF und beim Projektträger Jülich auf der Themenseite Bioökonomie zu finden.

Bundesministerium für Bildung und Forschung - Bekanntmachungen

Projektträger Jülich - Bioökonomie

Ergebnisse des Strategieprozesses 2015 liefern die Grundlage für die Ableitung der Förderrichtlinie "Agrarsysteme der Zukunft"

Zum Auftakt des Strategieprozesses "Agrarsysteme der Zukunft" wurde 2015 ein offen gestalteter Wettbewerb der Visionen initiiert und ein Kreativworkshop ausgerichtet.

Eingeladen waren Vertreter aller relevanten Fachdisziplinen aus Forschung, Wirtschaft und Gesellschaft sowie Politik und Verbänden. Die Teilnahme stand dabei interessierten Laien ebenso offen wie Studierenden, Nachwuchsforscherinnen und Nachwuchsforschern oder etablierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.

Jeder war aufgefordert, eine Zukunftsvision –  unter Berücksichtigung der vom Expertenbeirat definierten Leitlinien und Leitfragen –  nach eigenen Vorstellungen zu entwickeln. Aus verschiedenen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Blickwinkeln wurden so aktiv visionäre Ideen für zukünftige Agrarsysteme – unter Berücksichtigung der damit einhergehenden Chancen, Potenziale und Risiken –  gestaltet.

Der Wettbewerb fand eine sehr große Resonanz und die eingereichten 95 Beiträge –  von zumeist multidisziplinären Teams –  beleuchteten ein sehr breites Themenspektrum. Sie zeigten eine Vielzahl interessanter Optionen für die Gestaltung zukünftiger Agrarsysteme auf, und bildeten die Vielfalt und Komplexität der Herausforderungen für die landwirtschaftliche Primärproduktion, sowie deren vor- und nachgelagerte Bereiche ab.

Anhand der Leitlinien wurden vom Expertenbeirat unter allen eingereichten Beiträgen die aussagekräftigsten Visionen und Ideen als Grundlage für einen anschließenden Kreativ-Workshop ausgewählt. Ziel war es, durch eine offene, partizipative Gestaltung und innovative Kommunikationsmethoden zunächst neuartige Zukunftsbilder, die oftmals unkonventionellen Szenarien beinhalten, zu entwickeln. Darauffolgend wurden diese Zukunftsbilder im Spannungsfeld zwischen wissenschaftlich-technischer Machbarkeit, ökonomischer Tragfähigkeit und gesellschaftlicher Akzeptanz diskutiert und Synergiepotenziale herausgearbeitet.

Alle am Wettbewerb Beteiligten, sowie weitere Interessierte, wurden eingeladen, sich mit Ihren Ideen und ihrem Wissen in den Workshop einzubringen. Zusammen mit Moderatoren und Coaches des Hasso-Plattner-Instituts (HPI Academy) wurden im Kreativworkshop auf der Basis ausgewählter Visionen des Wettbewerbs die Gestaltungsoptionen zukünftiger Agrarsysteme diskutiert. 

Ergebnisse des Strategieprozesses 2015 liefern die Grundlage für die Ableitung der Förderrichtlinie

Es wurde deutlich, dass es in der Zukunft nicht ein einziges, klar umrissenes Agrarsystem geben wird, sondern dass zukünftige Agrarsysteme in ihrer Ausrichtung und Struktur vielfältig und komplex sein müssen, um möglichst vielen Anforderungen gerecht werden zu können. Nur so können sie sich flexibel und resilient an die jeweiligen regionalen Gegebenheiten anpassen. Der Strategieprozess dient dazu, einen groben Rahmen für einen gesellschaftlichen Ausgestaltungsprozess zu skizzieren. Dieser Rahmen ist durch die Suche nach Kompromissen zwischen unterschiedlichen Interessen Interessenskompromisse  geprägt und spiegelt die Unterschiede hinsichtlich der politischen, sozialen und ökonomischen Rahmenbedingungen an den jeweiligen regionalen Standorten wider.

Die vielzähligen Ansprüche an die Agrarsysteme lassen sich zusammenfassend den Kriterien der Nachhaltigkeit zuordnen. Somit sollen sie sich zukünftige Agrarsysteme verstärkt an ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten ausrichten. Hierbei liegt eine besondere Betonung im Bereich der Ökonomie auf Effizienzkriterien und im Bereich Soziales auf ethischen Aspekten. Betont wurde zudem  die Relevanz von Technik, Methoden und Prozessen zur Produktion und Verwertung biobasierter Ressourcen.

Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden und gesellschaftlich akzeptable Lösungen zu entwickeln, sowie Zielkonflikte bei der Produktion und Nutzung nachwachsender Ressourcen zu entschärfen, wird eine systemische, langfristig ausgelegte Agrarforschung benötigt, die thematische Begrenzungen überschreitet und eine neue Qualität der Zusammenarbeit befördert. Gefordert sind die Vernetzung der verschiedenen systemischen Ansätze, die Definition von Schnittstellen und die strategische Vernetzung der relevanten Akteure. Eine zentrale Voraussetzung für die Realisierung von zukünftigen Agrarsystemen ist die Entwicklung von Schlüsseltechnologien in den Agrarwissenschaften, an den Schnittstellen zu konvergenten Wissensgebieten und nicht zuletzt –  im Rahmen der digitalen Transformation –  im Bereich  innovativer Informations- und Kommunikationstechnologien.